
Anna Buthmann
Mathematik ist nur theoretisch? Nicht, wenn man genauer hinsieht!
Mein Studium
„Mathematik“ (M.Sc.) an der Fakultät für Mathematik der Universität Duisburg-Essen.
Das habe ich vorher gemacht
Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen mit den Fächern Mathematik, Physik und Bildungswissenschaften, B.Sc. und Mathematik mit einem Anwendungsfach – Physik, B.Sc.
Forschung oder Anwendung?
Das schließt sich für mich nicht aus. Ich kenne Lehrende, die mit Unternehmen zusammenarbeiten, so kann man mit „echten Daten“ auch in der Mathematik viel bewirken.
Du bist einen etwas ungewöhnlichen Weg bei deiner Studienwahl gegangen – vom Lehramt ins fachwissenschaftliche Studium. Warum?
Ich habe erst den Lehramtsbachelor in Mathematik und Physik abgeschlossen und habe dann einen fachwissenschaftlichen Bachelor in Mathematik mit dem Anwendungsfach Physik „hinten drangehängt“. Das lag ganz einfach daran, dass mich Mathematik als Fach und Forschungsfeld so sehr begeistert.
Was andere Menschen vielleicht nicht so attraktiv finden, zieht mich an: natürlich ist Mathe theoretisch, ich aber begreife sie vielmehr als einen Werkzeugkasten, um Probleme bearbeitbar zu machen: ich kann mit Mathematik modellieren und echte Antworten liefern. Numerik und Optimierung interessieren mich besonders. In meiner Bachelorarbeit habe ich eine Differentialgleichung numerisch gelöst. Das wäre zum Beispiel nützlich, um Materialien mit einer Mikrostruktur zu beschreiben, mit der man bestimmte Effekte erzielen möchte. Da sehe ich eine Nähe zum ebenfalls spannenden Studium NanoEngineering.

(Bild: Fabian Strauch)
Warum fühlst du dich an der Fakultät für Mathematik so gut aufgehoben?
Vor allem wegen der persönlichen Atmosphäre und Betreuung. Professor:innen, wissenschaftliche Mitarbeitende und Doktorand:innen interessieren sich wirklich für unseren individuellen Lernerfolg. Ich habe sogar schon erlebt, dass wir uns Themen wünschen durften, die dann im nächsten Semester auf den Lehrplan kamen.
Außerdem treffen wir uns auch außerhalb der regulären Veranstaltungen und präsentieren unsere aktuellen Arbeiten und diskutieren sie in entspannter Atmosphäre, alles ganz auf Augenhöhe. So, wie ich informelles Mentoring durch Lehrpersonen erhalten habe, versuche ich auch, mein Wissen weiterzugeben: ich habe bereits als Tutorin und Übungsleiterin gearbeitet und konnte da der ein oder dem anderen Medizinstudierenden vielleicht auch Ängste im Physikpraktikum nehmen. Mir ist außerdem wichtig, gerade als Frau in diesem Fach sichtbar zu sein und Ansprechpartnerin für Kommiliton:innen und Studieninteressierte zu sein.
Gibt es ein Schlüsselerlebnis, das deinen Karrierewunsch geprägt hat?
Ja, ich war studentisches Mitglied in einer Berufungskommission. Dort wird entschieden, wer eine Professur an einer Fakultät übernehmen darf. Wir durften als studentische Vertreter:innen Lehrvorträge und Fachvorträge anhören und am Bewerbungsgespräch teilnehmen. Es gibt klare Regeln, welche Gruppe welches Stimmrecht hat und wie genau entschieden wird. Aber auch in diesem Rahmen hatte ich den Eindruck, dass unsere Bewertung und Meinung wirklich berücksichtigt wurde. Die Mitarbeit in der Berufungskommission hat mich darüber nachdenken lassen, selbst Professorin zu werden. Gleichzeitig weiß ich, wie anspruchsvoll dieser Karriereweg ist. Deshalb halte ich mir bewusst verschiedene Möglichkeiten offen.
Wie helfen dir dabei dein Stipendium und die Kontakte zu deinem Förderer?
Ich erhalte ein UDE-Stipendium, darauf bin ich stolz. Neulich habe ich an einem Netzwerkevent für UDE-Stipendiat:innen in MINT-Studiengängen teilgenommen, um mit Menschen aus der Praxis ins Gespräch zu kommen. Solche Begegnungen helfen mir dabei, verschiedene Karrierewege kennenzulernen und herauszufinden, was zu mir passt. Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema für mich, ich könnte mir gut vorstellen, auch in einem Unternehmen in diesem Bereich zu arbeiten. Das ermöglicht mir die Anwendungsorientierung meines „theoretischen“ Mathematikstudiums eben auch!
(Das Interview mit Anna hat Helene Gerhards im April 2026 geführt.)

